Die wieder aufgeflammte Debatte um die Umbenennung der Karl-Branner-Brücke ist nach Auffassung des CDU-Fraktionsvorsitzenden Dr. Michael von Rüden kein positives Lehrstück für die junge Generation in Kassel.

Dazu haben das widersprüchliche Verhalten des Oberbürgermeisters Hilgen und seines Nachfolgers Geselle wesentlich beigetragen. Ging es Herrn Hilgen vor allem darum, die überdurchschnittlich hohe Verbindung von Dr. Branner zum NS-System mit den unumstrittenen Verdiensten in seiner Amtsführung als Oberbürgermeister abzuwägen und eine „damnatio memoriae“, die Verdammung seines Andenkens, zu vermeiden, so rücken Oberbürgermeister Geselle und die Kasseler SPD jetzt plötzlich von Branner ab. Dies widerspricht eindeutig dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 20. Juli 2015. Im Verlauf der Kontroverse hatten vor allem der frühere Oberbürgermeister Hilgen und die damaligen SPD-Verantwortlichen immer wieder mit klaren Entscheidungen gezögert, so Dr. von Rüden. Die inhaltlich fragwürdige Hinweistafel sei viel zu spät und noch dazu an ungeeigneter Stelle angebracht worden. Ferner sei die gemeinsam vereinbarte Dokumentation der Reden vom 20. Juli 2015 mehr als zwei Jahre verzögert worden. Dass jetzt plötzlich von Branner als Namensgeber abgerückt werde, ist nach Ansicht des CDU-Fraktionschefs nur dem Druck geschuldet, dem sich die gesamte SPD derzeit ausgesetzt fühlt. Erneut fehle eine sachliche Debatte über die Sinnhaftigkeit dieser Entscheidung. Der Namensvorschlag „Europabrücke“ entbehre somit nicht einer gewissen Peinlichkeit, weil er ins Banale abgleitet und sämtliche stadtgeschichtlichen Bezüge hinter sich lässt. Vor diesem Hintergrund erscheine der Namensvorschlag „Brücke am Rondell“ passender. Dr. von Rüden bezweifelt, dass der jungen Generation angesichts dieser Versäumnisse und Peinlichkeiten Vertrauen in das System kommunaler Selbstverwaltung vermittelt und vorgelebt werden kann.

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