Mit Ablauf der vergangenen Wahlperiode sind viele Mitglieder aus der Kasseler Stadtverordnetenversammlung, dem städtischen Magistrat, den Ortsbeiräten sowie dem Senioren- und Behindertenbeirat ausgeschieden. Bei einem Empfang im Kasseler Rathaus wurden nun 30 von ihnen von Stadtverordnetenvorsteherin Petra Friedrich und Oberbürgermeister Bertram Hilgen für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Insgesamt erhalten 45 verdiente Persönlichkeiten aus der Kasseler Kommunalpolitik eine gebührende Würdigung. Gemeinsam kommen alle auf beinahe 1000 Jahre Engagement für die Stadt Kassel.

„Hier sind viele Menschen versammelt, die sich mit Herzblut für unsere Stadt und deren Bürgerschaft engagiert haben“, erklärte Stadtverordnetenvorsteherin Petra Friedrich. Willy Brandt werde der Ausspruch „Mehr Demokratie wagen“ zugeordnet. „Manchmal bedeutet das auch mehr Demokratie ertragen, denn Demokratie ist anstrengend“, sagte Friedrich. Sich mit anderen Meinungen und mitunter kontroversen Vorstellungen auseinanderzusetzten, sei unbequem und koste Zeit. Oft sei die Enttäuschung groß, wenn der finanzielle oder gesetzliche Rahmen einfache Lösungen nicht zulasse und Überzeugungsarbeit ins Leere laufe. „Umso größer ist meine Hochachtung vor allen Menschen, die ihre Zeit im Ehrenamt an den unterschiedlichsten Schnitt- und Schaltstellen einbringen.“

Die Aufgaben des politischen Ehrenamtes zeichneten sich dadurch aus, dass Entscheidungen mit Augenmaß und unter Berücksichtigung vieler verschiedener Aspekte getroffen werden. Das trotzdem mit dem Anspruch, guten Ideen nicht im Wege zu stehen.  Dabei sei es Grundvoraussetzung, fair miteinander umzugehen. „Sie haben über viele Jahre ihre Energie im Ehrenamt eingebracht“, sagte die Stadtverordnetenvorsteherin zu den Geehrten. Und ergänzte: „Wenn wir junge Menschen für Politik interessieren wollen, dann wird es wichtig sein, Ihnen Gestaltungsmöglichkeiten aufzuzeigen, damit uns die Ideengeber von morgen nicht ausgehen.“

In seinen Dankesworten unterstrich Oberbürgermeister Bertram Hilgen die Bedeutung kommunalpolitischen Engagements für eine freiheitliche Gesellschaft. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die Hessische Gemeindeordnung, in der es heiße: „Die Gemeinde ist die Grundlage des demokratischen Staates“. Dies unterstreiche, so Hilgen, die besondere Bedeutung der kommunalen Selbstverwaltung. Die Geehrten hätten sich, erklärte der Oberbürgermeister weiter, nicht nur mit engagierter Sacharbeit für die Belange der Kasseler Bürgerschaft eingesetzt, sondern sich darüber hinaus auch mit ihrem staatsbürgerlichen Einsatz um die politische Kultur Kassels verdient gemacht.

Stellvertretend für die Geehrten sprach Hans-Jürgen Sandrock, der mit 83 Jahren nicht nur der Älteste, sondern mit 39 Jahren Engagement auch der am längsten kommunalpolitisch Aktive der Geehrten ist: „Größter Antrieb für meine Arbeit waren und sind die Kasseler Bürgerinnen und Bürger. Sie haben mir bei zahlreichen Wahlen ihr Vertrauen entgegengebracht und für sie habe ich mich eingesetzt und viele Veranstaltungen in Kassel und der Region besucht.“ Durch seine Tätigkeit habe er nicht nur die Stadt kennenlernen, sondern vor allem mit vielen Menschen zusammenarbeiten können – „immer an der Sache orientiert, auch über Parteigrenzen hinweg“. Das sollte aus Sandrocks Sicht Maxime für jedes ehrenamtliche Engagement sein. „So kann man am meisten erreichen.“

Gewürdigt werden mit der Ehrenbezeichnung „Stadtälteste/Stadtältester“ sowie der Stadtmedaille (nach der Dauer der kommunalpolitischen Tätigkeiten):

•        Hans-Jürgen Sandrock (39 Jahre)

•        Georg Lewandowski (38 Jahre und 4 Monate)

•        Eberhard Fedon (35 Jahre)

•        Uwe Frankenberger (31 Jahre)

•        Alfred Langner (31 Jahre)

•        Heike Mattern (27 Jahre)

•        Waltraud Stähling-Dittmann (27 Jahre)

•        Jürgen Kaiser (26 Jahre und 9 Monate)

•        Bernd Wolfgang Häfner (25 Jahre und 8 Monate)

•        Monika Zimmer (25 Jahre und 5 Monate)

•        Friedhelm Alster (25 Jahre)

•        Heyne von Dossow (23 Jahre)

•        Annett Martin (23 Jahre)

•        Hans-Jürgen Kuhnert (23 Jahre)

•        Heinrich Schmoll (23 Jahre)

•        Eckhardt Wagner (22 Jahre und 4 Monate, nur Stadtältester, da Stadtmedaille bereits erhalten)

•        Wilfried Borzutzky (20 Jahre und 7 Monate, nur Stadtältester da Stadtmedaille bereits erhalten)

Gewürdigt mit der Stadtmedaille:

•        Elfriede Becker (23 Jahre)

•        Irene Creutzburg (23 Jahre)

•        Wolfgang Albus (19 Jahre)

•        Gerhard Rinder (19 Jahre)

•        Joachim Scholz (19 Jahre)

•        Edeltraud Schreiber (19 Jahre)

•        Peter Tippmann (19 Jahre)

•        Frank Oberbrunner (16 Jahre und 4 Monate)

•        Norbert Domes (15 Jahre)

•        Heinz-Gunter Drubel (15 Jahre)

•        Maren Eisler (15 Jahre)

•        Gudrun Frankenberger (15 Jahre)

•        Helga Gessner (15 Jahre)

•        Susanna Greger (15 Jahre)

•        Dr. Marianne Hornung-Grove (15 Jahre)

•        Gudula Körner (15 Jahre)

•        Ina Rudolph-Lösel (15 Jahre)

•        Monika Sprafke (15 Jahre)

•        Sabine Stern (15 Jahre)

•        Karl Schöberl (13 Jahre und 10 Monate)

•        Ruth Fürsch (12 Jahre und 3 Monate)

•        Martin Engels (12 Jahre und 2 Monate)

•        Brigitte Bergholter (10 Jahre)

•        Donald Strube (10 Jahre)

Ebenfalls für ihr langjähriges kommunalpolitisches Engagement gewürdigt (Auszeichnung Stadtälteste/Stadtältester bzw. Stadtmedaille wurden bereits verliehen):

•        Aloys Zumbrägel (49 Jahre)

•        Doralies Schrader (39 Jahre)

•        Hans-Werner Haas (27 Jahre)

•        Esther Haß (15 Jahre)

Hintergrund:

Wer die Ehrenbezeichnung „Stadtälteste“ bzw. „Stadtältester“ tragen darf, ist in §28 der Hessischen Gemeindeordnung geregelt und bedarf eines Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung. Sie ist für alle Ehrenamtlichen vorgesehen, die mindestens 20 Jahre in Stadtverordnetenversammlung, Magistrat, Ortsbeirat oder Ausländerbeirat tätig waren. Über die Verleihung der Stadtmedaille entscheidet der Oberbürgermeister nach interfraktionell abgestimmten Grundsätzen für hervorragende Verdienste um die Stadt Kassel. Sie wird nach zehn Jahren Tätigkeit in der Stadtverordnetenversammlung bzw. im Magistrat oder nach 15 Jahren Engagement im Orts- , Senioren- oder Behindertenbeirat vergeben.

 Quelle: Stadt Kassel

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